Updated: 17.12.2007

SCA - Das Leben im Heutigen Mittelalter

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Bilder von SCA-Aktivitäten   SCA-Was ist das?
Woher kommt die SCA? Wie ist die SCA organisiert? Kampfsysteme SCA?
Was sind das für seltsame Namen? Titel in der SCA oder Warum trägt sie eine Krone? Feiern, Tanzen usw.
Was für Leute treffen sich in der SCA? Wie kann ich mitmachen? Willkommen im Mittelalter als PDF


Tassilo von Rabennest zum Anfang

Tassilo Tassilo ist ein Angehöriger des gehobenen Adels aus dem bayrisch-tschechischen Grenzgebiet. Er war Ministerialer mehrerer Gruppen der SCA, u.a. Baron der Baronie Drei Eichen. Seine Aktivitäten sind hauptsächlich Bogenschießen, Lederarbeiten, Heraldik und Holzbearbeitung. Er hat einen Grant of Arms und ist Court Baron des Königreichs Drachenwald. Die bekanntesten Träger des Namens Tassilo waren die Herzöge von Bayern. Rabennest ist der Burgflecken einer Burg in der Rhön.

 

SCA-Was ist das? zum Anfang

Die SCA ist die "Society for Creative Anachronism", ein Verein, der sich der gemeinsamen Erforschung und dem Nachempfinden des Mittelalters widmet. Er besteht aus vielen lokalen Gruppen, die sich tlw. wöchentlich treffen; zum tanzen, diskutieren, lernen, lehren, planen und feiern.

Das erklärte Ziel der SCA ist das gemeinsame Studium und die Wiederbelebung des europäischen Mittelalters, seiner Handwerke, Künste, Traditionen, Literatur, Werten und Errungenschaften. Die SCA beschäftigt sich mit der Zeit vor dem 17. Jhd., insbesondere mit dem Hochmittelalter in Westeuropa. In der SCA befassen wir uns z. B. mit Tänzen, Kalligraphie, Kampfkunst, Kochen, Metallverarbeitung, Kleidung, …es gibt nichts Mittelalterliches, daß nicht von jemandem in der SCA betrieben wird, außer natürlich an der Pest zu sterben.

Was uns jedoch von dem Geschichtsunterricht der Mittelstufe unterscheidet, ist die aktive, praktische Beschäftigung mit dem Thema.

Um etwas über Kleidung zu lernen, entwerfen und nähen und tragen wir die Kleidung des Mittelalters.

Um etwas über den SCA-Fußkampf zu lernen, bauen wir eine Rüstung, ein Schwert und einen Schild, lernen sie zu benutzen und lernen das Gefühl kennen, einem Gegner gegenüber zu stehen.

Um etwas über die Braukunst zu lernen, machen und verkosten wir unseren eigenen Wein, Met oder Bier.

Früher oder später hört man, daß die SCA das Mittelalter so wiederbelebt, wie wir es uns gewünscht hätten. In einer bestimmten Weise ist das richtig; wir haben fließend Wasser, wenig Bauern, Religionsfreiheit und selten die Pest. Wir haben auch im Winter mehr zu essen als das königliche Wildbret, Salzfleisch und Steckrüben.

Präziser ausgedrückt, wir nähern uns nur ausgesuchten Teilbereichen des Mittelalters, Themen die uns interessieren und ansprechen.

Kompromisse sind dabei unumgänglich und im Interesse des gemeinsamen Erlebens auch beabsichtigt.

Woher kommt die SCA? zum Anfang

Die Geschichte der SCA beginnt 1966 in Berkeley, Kalifornien mit einer Gruppe von SF- und Fantasy-Fans und deren Mittelalterparty.

Nach der gelungenen Feier trafen sie sich, um über die Gründung einer mittelalterlichen Gruppe, entsprechend den Unabhängigkeitskrieg-, Bürgerkriegs- oder Westerngruppen, zu reden.

Als Vorbild sollten die, seit einigen Jahren existierenden englischen mittelalterlichen bzw. Englischen-Bürgerkriegsgruppen, dienen. Diese Kalifornier, u.a. Marion Zimmer-Bradley und Diane Paxton gründeten einen gemeinnützigen Verein, es bildeten sich neue lokale Gruppen und von da an nahmen die Dinge ihren Lauf .

Seit ihren Anfänge 1966 wuchs die Vereinigung auf über 24.000 Mitglieder in den USA, Kanada, Großbritannien, Schweden, Finnland, Deutschland, Italien, Rußland, Polen, Griechenland, Japan, Südafrika und Australien. Zudem ist anzunehmen, daß auf jedes zahlende Mitglied drei bis vier aktive Nichtmitglieder entfallen, da die Mitgliedschaft nur für besondere Aktivitäten zwingend ist.

Wie ist die SCA organisiert? zum Anfang

Die Organisation der SCA lehnt sich an die idealisierte Feudalgesellschaft des Mittelalters an. Die SCA besteht im Moment aus 16 Königreichen mit je einem Königspaar, einem Kronprinzenpaar und einer Anzahl königlicher Ministerialen, die sich jeweils in ihrem Aufgabengebiet um die alltäglich anfallende Arbeit kümmern.

Das Königreich unterteilt sich in die verschiedenen Gruppen vor Ort, je nach Größe und Struktur Shire, Kanton, Baronie, Provinz oder Fürstentum genannt. Auch dort sind wieder Ministeriale am Werk und Baronen- und Fürstenpaare als Vertreter der Krone.

Im täglichen Leben der SCA ist das feudale System bei weitem nicht so ausgeprägt, wie es im Mittelalter der Fall war, aber es ist immer noch spürbar. Der König oder die Königin, an der Spitze des Königreiches und oberste/r Lehensherr/in hat sich im Krönungsturnier das Recht erworben, die Krone zu tragen und den jeweiligen Partner zu krönen. Obwohl sie durch die Regeln und Gepflogenheiten der SCA gebunden sind, liegt denoch viel Macht in ihren Händen. Doch nur für 6 Monate, dann löst sie ein neues Königspaar mit neuen Ideen ab.

Wie kämpft die SCA? zum Anfang

Der Schwertkampf der SCA basiert auf dem Fußkampf bewaffneter Ritter, wie er z.B. in mittelalterlichen Turnieren stattfand. Es gibt ihn als Duell oder als Gruppenkampf.

Die wichtigste Regel unseres Kampfsystems beruht auf der Ehrenhaftigkeit jedes einzelnen Kämpfers. Nur er selbst entscheidet, ob ihn der Schlag, den er erhalten hat, im Ernstfall verwundet oder getötet hätte. Und er gesteht dieses Recht auch seinem Gegner zu. Wenn dieser einen Schlag als zu leicht empfunden hat, geht der Kampf weiter.

Um Verletzungen zu vermeiden, wird zwar in richtigen Rüstungen aus Metall, Leder, Stoff etc., aber mit Rattanwaffen, gekämpft. Rattan ist eine tropische Liane, aus der z.B. Möbel gemacht werden. Es entspricht im Gewicht und Schlagverhalten den mittelalterlichen Waffen. Elastisch wie Bambus, hat es aber keinen hohlen Kern, splittert deswegen weniger leicht und nimmt einenTeil der Wucht aus dem Schlag. Die Oberfläche wird zusätzlich durch eine Schicht Textilklebeband geschützt und von der Farbe her Metall angeglichen. Dazu ein Schwertkorb oder eine Parierstange und das Schwert ist fertig.

Die Rüstungen sind dagegen wesentlich aufwendiger, einige Teile erfordern bis zu 40 Arbeitsstunden oder mehr, bis aus Stahl, Nieten, Leder usw. ein Rüstungsteil entsteht.

Die wesentlichen Körperteile wie Kopf, Nacken, Wirbelsäule, Ellbogen, Knie, Nieren, Hände und Genitalien müssen dabei durch genau festgelegte Rüstung geschützt werden. Die meisten Kämpfer entscheiden sich jedoch freiwillig mehr Rüstung zu tragen, um auch den Torso, die Arme und die Beine zu schützen

Bevor er eigenverantwortlich kämpfen darf, wird ein Anfänger von besonders erfahrenen Kämpfern, den sog. Marschällen, trainiert. Dieses Training nimmt üblicherweise einige Zeit in Anspruch und soll sicherstellen daß der Kämpfer im Gefecht weder für sich noch für Andere eine Gefahr darstellt. Teil dieses Trainings ist es auch, leichte d.h. nicht verletzende Schläge von "guten" zu unterscheiden. Kommt der Getroffene zu dem Schluß, der Schlag hätte ihn durch die Rüstung hindurch verwundet, wird er bei einem Treffer der Gliedmaßen die Benutzung dieses Körperteils einstellen. Wird er an Torso oder Kopf getroffen, ist der Kampf zu Ende. Als Abschluß dieses Trainings findet dann eine Prüfung des Kämpfers durch mehrere Marschälle statt.

Was sind das für seltsame Namen?  zum Anfang

Wir tragen mittelalterlichen Namen, unter denen wir dann auch innerhalb des Vereins bekannt ist. Er kann so einfach sein wie "Hans von Schönbach" oder so ausgefeilt und exotisch wie Oisin Dubh mac Lochlainn. Die meisten suchen sich einfach nur ein Name aus der Zeit und einem Landheraus, manche versuchen aber auch eine komplette fiktive Person darzustellen und passen Name, Kleidung und Aktivitäten entsprechend an.

Selbst die lokalen Gruppen tragen entsprechende mittelalterliche Namen. München ist Isengau, Kiel Two Seas und das Rhein-Main-Gebiet die Baronie Knights Crossing.

Die SCA hat ein eigenes Heraldikkollegium, daß die Mitglieder bei der Auswahl ihrer Namen und Wappen zu unterstützen. Dadurch wird auch sichergestellt, daß Name und Wappen mittelalterlich sind und nicht doppelt vorkommen.


Titel in der SCA oder Warum trägt sie eine Krone? zum Anfang

Die SCA hat ein ausgeprägtes System von Titeln, Rängen und Ehrungen, die von der Krone für die verschiedensten Leistungen und Verdienste an einzelne Mitglieder verliehen werden. Sie sind nicht erblich, sondern persönlich.

Wir beginnen alle als Angehörige des niederen Adels. Jeder weitere Titel und Rang wird dann verliehen. Neuen Mitglieder (und einige der alten) finden das System der SCA sehr eigenartig und nicht der mittelalterlichen Praxis entsprechend. Wie vieles in der SCA wurde es nicht geplant, sondern ist gewachsen. Es erfüllt die meisten gestellten Anforderungen, nichtsdestotrotz wird es immer weiter diskutiert und verbessert.

Die SCA kennt zwei Arten des Hochadels, sog. Peers: der königliche und der verliehene Hochadel.

Der königliche Hochadel besteht aus den ehemaligen Fürsten- und Königspaaren. Ex-Fürsten werden zu Landgrafen, Ex-Fürstinnen werden zu Landgräfinnen und dann wird es schwierig. Wer einmal ein Königreich regiert hat, wird Graf/Gräfin. Nach dem zweiten Mal wird man dann Herzog/Herzogin. Im Königreich des Westens gibt es einen Herzog, der achtmal König war.

Die andere Form des Hochadels sind Mitglieder, die aufgrund von Talent, harter Arbeit und fortwährender Anstrengung diese Auszeichnung für ihre Mühe verliehen bekommen.

Es gibt drei verschiedene Formen dieser Auszeichnung, die die gleichen Grundvoraussetzungen haben: Ehrenhaftes und höfliches Verhalten, Vertrautheit mit höfischem Verhalten und Nachweis des Einsatzes für den Verein und dessen Ideale. Diese drei Orden sind gleichrangig.

Der älteste ist der "Order of Chivalry", der auch die Ritter beinhaltet. Kämpfer, die herausragende Kampffertigkeiten und beispielhafte Tapferkeit, Ritterlichkeit und Ehrenhaftigkeit gezeigt haben werden in ihn aufgenommen.

Der nächste ist der "Order of the Laurel" der Künstlern und Handwerkern verliehen wird, die sich durch Forschungen über mittelalterliche Fertigkeiten, ihre Bereitschaft diese Kenntnisse weiterzugeben und ihre künstlerischen Fähigkeiten auszeichnen. Der Lorbeerkranz wurde den Siegern der griechischen Olympiaden, großen Dichtern usw. verliehen und galt immer als Symbol für Leistung und Erfolg.

Zuletzt gibt es noch den "Order of the Pelican", verliehen für außergewöhnliche Anstrengungen für der SCA. Mitglieder dieses Ordens sind oft administrativ begabt- irgend jemand muß schließlich den Papierberg eines Königreiches von bis zu 3000 Mitgliedern bearbeiten und manche tun dies mehrere Jahre. Der Pelikan war im Mittelalter Symbol der Opferbereitschaft. Ihm wurde nachgesagt, er würde sich in der Not die Brust öffnen, um mit seinem Blut seine Jungen zu nähren.

Die Krone erhebt aufgrund von Vorschlägen Mitglieder in den Hochadel.

Feiern, Tanzen usw. zum Anfang

"Events", Veranstaltungen sind oft der interessanteste Teil der SCA. Wir tragen unsere mittelalterliche Kleidung, tanzen die gelernten Tänze, flirten, essen mittelalterliche Gerichte, unterhalten uns und haben Spaß. Es vergeht kaum ein Wochenende ohne eine Veranstaltung und meistens hat man die Auswahl unter mehreren Events. Die kleinen Gruppen veranstalten mindestens ein Event im Jahr, die meisten Größeren mehr. Dort gibt Turniere, Ausstellungen, Wettkämpfe, Vorträge über mittelalterliche Künste, Workshops und oft am Abend ein Festmahl, königliche Hofhaltungen und Tänze und Musik.

Es gibt viele verschiedene Arten an Veranstaltungen und die Schwerpunkte differieren auch je nach Jahreszeit und Region.

Was für Leute treffen sich in der SCA? zum Anfang

Die SCA-Mitglieder sind Leute wie du und ich, normale Menschen, die an ihren Wochenenden etwas anderes erleben möchten. Auffällig ist jedoch, daß ein großer Anteil der Mitglieder aus HighTech- oder künstlerischen Berufen stammt. Vielleicht kann die Attraktivität der SCA dadurch erklärt werden, daß Menschen, die sich sonst mit sehr komplexen, modernen Technologien beschäftigen, ein Bedürfnis haben, sich am Wochenende mit ausgleichenden Themen zu beschäftigen. In der SCA finden sich jedoch alle Berufe: Geschichtswissenschaftler, Autoren, Sekretärinnen, Polizisten, Programmierer, Versicherungsvertreter… -- der Ruf der SCA reicht weit.

Ein Bekannter eines Scadian (Mitglied der SCA) bemerkte dazu: "Soweit ich dazu etwas sagen kann, ist SCA mehr als nur kämpfen. Sie haben Spaß daran, Gewandungen zu nähen und zu tragen, mittelalterliche Speisen zu essen, zu passender Musik zu Tanzen, selbst Musik zu machen und zu feiern. Sie möchten mittelalterlich sein, um sich zu entspannen und Spaß zu haben. Sie reden gerne über die SCA oder laden dich zu Veranstaltungen ein."

Wie kann ich mitmachen? zum Anfang

Sie sind herzlich eingeladen, an lokalen Treffen und unseren Events teilzunehmen. Man muß nicht Mitglied werden, um reinzuschnuppern oder mitzumachen, wobei es bei regelmäßiger Teilnahme natürlich nett wäre. Der einzige Vorraussetzung, um ein Event zu besuchen, ist es, eine Gewandung im Stil von vor dem Jahr 1600 zu tragen oder es zumindest zu versuchen. Und selbst dafür haben die meisten Gruppen einen Fundus, um Neulinge auszustatten.

Alle erinnern sich noch an ihre ersten Tage in der SCA und helfen gerne jedem Interessenten. Viele Gruppe haben jemanden, der neuen Mitgliedern bei ihren ersten Schritten hilft.

Weitere Informationen über Gruppe in Ihrer Nähe finden Sie über die Karte des Königreiches unter www.drachenwald.org. Ein Klick auf die nächste Gruppe verrät immer eine Postanschrift und eine Telefonnummer eines Ansprechpartners, meistens eine e-mail-Adresse und manchmal eine Homepage der Gruppe.

Willkommen im Mittelalter

Heute!!!

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